Ein gar wunderbares Buch.

Für immer Punk?

Klaus N. Frick ist nicht nur bekannt als Chefredakteur der Science-Fiction-Romanreihe Perry Rhodan, sondern war in den achtziger Jahren auch durchaus aktiv in der Punk Szene. Nun hat er ein Buch mit Kurzgeschichten geschrieben, die einen Zeitraum von gut 30 Jahren umfassen und die das Lebensgefühl “Punk” beschreiben.

Es ist ein Buch, das Spaß macht, mit ganz eigentümlichen Geschichten, manche davon still, manche laut, all diesen Geschichten aber haftet etwas Absurdes an, eine gewisse Schrägheit und ein leiser Humor.

Da ist zum Beispiel die Geschichte, die ein komplett anderes Cannes zeigt, als man es sich gemeinhin vorstellt (An der Croisette), die Geschichte vom Volksfest, welches Dank einer seltsamen Schlagerkapelle etwas aus dem Ruder läuft (Der King vom Ziegeltal), oder der merkwürdige Vermieter, der morgens nach einem One-Night-Stand auftaucht (Pizzicato Punkrock).

Natürlich geht es auch um “richtigen” Punk: “Chaos am Schlossplatz” beschreibt Chaostage ohne allzu großes Chaos, dann eine Anti-Nazi-Demo mit einem Pony (Das Antifa-Pony) und schließlich die vollkommen sinnlos verbrachte Nacht in einer Polizeizelle (Stuttgart bei Nacht).

Und so geht es munter weiter, zwischendrin, zwischendurch, ein Postamt spielt eine Hauptrolle, Wahlkampf für die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands, eine Reise ins Mutschelland, sogar eine ganz spießige Betriebsfeier wird beschrieben.

Diese Geschichten, die bewußt verzerrt aufzeigen, wie sich Punk in den achtziger Jahren anfühlte, wie in den neunziger Jahren und wie es sich noch anfühlt für einen Mann von über 50 Jahren, der den “kleinen Punk im Kopf” (Klaus Frick im Vorwort) immer noch nicht verloren hat, sind eine wahre Freude zu lesen.

Unbedingte Leseempfehlung.
Klaus N. Frick
Für immer Punk?
Hirnkost KG, 2016
320 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-945398-44-9

Klaus N. Frick, geboren 1963 in Freudenstadt im Schwarzwald, ist im Hautberuf Chefredakteur von „Perry Rhodan“ und ansonsten einer der bekanntesten literarischen Chronisten der Punk-Bewegung.
Bereits in den frühen 80er Jahren produzierte er seine ersten Fanzines:
zuerst Science Fiction, später Punkrock. Seit den 90er Jahren
veröffentlichte er diverse Bücher, unter anderem im Archiv der
Jugendkulturen Verlag die Romane „Vielen Dank Peter Pank“ und
„Chaos en France“. Daneben entstanden zahlreiche Kurzgeschichten, die in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht wurden und nun erstmals in einem Band präsentiert werden.

Der Raumpatrouille zum Wiegenfest.

Heute vor 50 Jahren startete Raumpatrouille – die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion – zum ersten Mal in der ARD (Das Erste) im deutschen Fernsehen.

Das war 1966 und ich war weiland 6 Jahre alt. Ein Virus hatte mich gepackt, ein Science-Fiction-Virus nämlich und ganz besonders ein Raumpatrouille-Virus – seitdem habe ich keine Wiederholung mehr im Fernsehen verpaßt, habe die Romane gelesen, die spärliche Merchandise mir angeschafft und es wurde durchaus etwas manisch bedenklich, was ich so im Laufe der Jahre angehäuft habe. Doch das Beste sollte noch kommen:

1993 begleitete ich meinen Freund Josef Hilger bei den ersten Recherchen zu seinem Buch über die Fernsehserie Raumpatrouille nach Bayern.

Wir waren in München und besuchten dort diverse Leute, die maßgeblichen Einfluß auf Raumpatrouille hatten: den Regisseur Dr. Michael Braun, den Kameramann Kurt Hasse, den Filmarchitekten Rolf Zehetbauer, den Produktionsleiter Michael Bittins, die Schauspielerinnen Eva Pflug und Ursula Lillig (letztgenannte auf der Rückfahrt nach Köln in Frankfurt), sowie den Pressefotografen Gerd Hanig, dessen Original-Negative nun Bestandteil des Orion-Museums von Josef sind.

Bei der Bavaria-Filmgesellschaft gingen wir ein und aus, aßen dort in der Kantine, sprachen mit alten Handwerkern, die zum Teil noch aus UFA-Zeiten stammten, sahen uns Kulissen und Hallen an (soweit Kulissen in Hallen und Kulissen draußen) und hatten einfach eine großartige Zeit.

Damals gab es natürlich noch keine iPhones und wir waren zu blöd oder zu bequem, einen Kassettenrecorder mitzuschleppen. Daher hatte ich es mir angewöhnt, in der kleinen Pension, in der wir abgestiegen waren, jeweils am Abend ein Gesprächsprotokoll aus dem Gedächtnis niederzuschreiben.

Zum fünfzigsten Geburtstag hier nun zum ersten Mal und relativ exklusiv meine Erinnerungen an die Gespräche mit Michael Braun und Kurt Hasse.

Ich wünsche der Raumpatrouille ein lautstarkes “Many Happy Returns!”

Und Josefs Buch? Nun, dies erschien einige Jahre später im Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag und gilt mittlerweile als das Standardwerk zur Serie überhaupt. Sehr wohl verdient.